Die Geschichte des Sakkadentrainers

Eine Hemianopsie ist ein halbseitiger Gesichtsfeldausfall, der häufig die Folge eines Schlaganfalls ist. Dadurch wird das Sichtfeld des Betroffenen verkleinert oder abgeschwächt, was zu erheblichen Einschränkungen im Alltag führen kann. Aufgrund dessen wird bei einer starken Hemianopsie der Führerschein entzogen, um andere durch die eingeschränkte Sicht im Strassenverkehr nicht zu gefährden. Zum Glück kann unser Organismus jedoch durch gezielte Übungen körperliche Defizite teilweise selbst beheben. Um das zu unterstützen, habe ich zusammen mit meinen Patienten eine Software zur Kompensation von Gesichtsfeldausfällen entwickelt: Den Sakkadentrainer.

Wie alles begann: Herr Fasel als mein erster Proband

Nach einem Schlaganfall, Hirntumor oder anderen neurologischen Störungen kann eine sogenannte homonyme Hemianopsie oder ein visueller Neglect auftreten und zu massiven Augenproblemen führen. Das eingeschränkte Sehfeld bewirkt, dass der Betroffene oft stolpert, sich stösst, Dinge übersieht und sich schlecht orientieren kann. Bei meiner Arbeit als Ergotherapeut musste ich leider feststellen, dass dieses Schicksal bis zu 30% aller Schlaganfallpatienten erleiden.
Um etwas dagegen zu unternehmen, beriet ich mich mit meinem Patienten Herr Fasel. Er hatte im Jahr 2013 einen Schlaganfall und anschliessend eine Hemianopsie nach rechts. Vor seiner Pensionierung arbeitete er als Lehrer und fuhr in seiner Freizeit leidenschaftlich gerne Fahrrad – nach dem Schlaganfall war dies aufgrund seines Gesichtsfeldausfall nicht mehr möglich. Er war unsicher und traute sich nicht mehr sein geliebtes Hobbie auszuführen. Da er auch gerne am Computer arbeitete, schlug ich ihm als Ergotherapeut ein Augentraining am PC vor.
Für ihn waren folgende Punkte zentral:

Von der Idee zur Umsetzung: Die Entwicklung meines ersten Trainingsprogrammes

Keines der existierenden Programme zum Gesichtsfeldtraining entsprach meinen und Herr Fasels Anforderungen. Ich beschloss deshalb mein Fachwissen als Informatiker und Ergotherapeut zu nutzen und selbst ein Trainingsprogramm zu entwickeln: Den Sakkadentrainer.
Es handelt sich hierbei um ein Programm zum kompensatorischen Gesichtsfeldtraining, welches die Orientierung im Raum, auf einem Bildschirm oder beim Lesen verbessern soll. Dafür müssen mit schnellen Blickzielbewegungen (Sakkaden) Suchaufgaben am Computer gelöst und Objekte auf dem Bildschirm gefunden werden. Da Herr Fasel den Sakkadentrainer fleissig nutzte und mit ihm grosse Fortschritte sowohl in seiner Reaktionszeit als auch im Alltag erzielte, beschloss ich das Programm auch für andere Menschen zugänglich zu machen.

Das nächste Level: Die Zertifizierung zum Medizinal Produkt

Aufgrund des grossen Erfolges, brachte ich zwei Jahre später ein umfassendes Update mit neuen Übungen sowie eine Pro-Version für Institutionen heraus. Diese kann an das Corporate Design der Firma angepasst, 3 Monate kostenlos getestet und für eine unlimitierte Benutzerzahl genutzt werden.
Um den Sakkadentrainer weiter zu optimieren, entschloss ich mich 2017 zu einer den Eyetracker von TOBII zu nutzen. Dieses schwedische Unternehmen brachte ein Eyetracking Gerät auf den Markt, durch welches die Computermaus mit den Augen gesteuert werden kann. Gerade für den Sakkadentrainer ist diese Technologie sehr interessant, da traditionellerweise beim Augentraining am PC auf dem Bildschirm erscheinende Objekte mit den Augen erfasst und dann mit der Maus angeklickt werden müssen. Aufgrund von motorischen und technischen Störungen kann hier jedoch leicht die Reaktionszeit verfälscht werden – das Auge war schnell genug, die Maus oder die Hand jedoch zu langsam. Um das zu verhindern, kann der Sakkadentrainer nun auch mit dem Eyetracker genutzt und so das Training noch effizienter gestaltet werden.

Drei Jahre später wurde dann die letzte Hürde gestemmt und der Sakkadentrainer in Zusammenarbeite mit der Berner Fachhochschule und dem Johner Institut als Medizinal Produkt zertifiziert. Das bedeutet, dass mein Produkt klinisch bewertet, auf Risiken geprüft und zur Therapie von Einschränkungen, welche das Gesichtsfeld beeinträchtigen zugelassen wurde. Aufgrund von Interviews mit Patienten und Gesundheitsfachpersonen, konnte genau definiert werden, welche Anforderungen das Produkt erfüllen muss und ein Softwareentwicklungsplan erstellt werden. Heute besteht des Sakkadentrainer aus sechs praxiserprobten Übungen sowie diversen Statistiken zur Verlaufskontrolle. Es wird in über 15 Ländern im angloamerikanischen und deutschsprachigen Raum genutzt und half bereits tausenden registrierten Benutzern – so auch Herrn Fasel, der dank des Trainings mit meiner Software wieder sicher und zufrieden Fahrrad fährt.

Die Geschichte des Sakkadentrainers auf einen Blick:





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